Stadt- und Festungstor - Bürger für Denkmale

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Das Stadt- und Festungstor | M. Hilliges

Marion Hilliges: Das Stadt- und Festungstor, Fortezza und Sicurezza – semantische Aufrüstung im 16. Jahrhundert
Gebr. Mann-Verlag, Berlin 2011 (Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte XVI)
ISBN 13: 9783786126546, 39 €
Die bei Ullrich Reinisch entstandene Dissertation unterbreitet mit den Schwerpunkten 16. Jahrhundert und Italien einen Ausschnitt aus einem Themenbereich, den Reinisch mit der Devise „Maß, Zahl und Kanonenkugel“ vorgegeben hatte. Die Umwälzung in der Kriegsführung durch die Einführung der Artillerie bewirkte einschneidende Veränderungen im Befestigungswesen und in dessen formaler Gestaltung, um im Erscheinungsbild der Festungsanlagen Sicherheit und Stärke zum Ausdruck zu bringen. Der umfangreiche Stoff wurde von der Verfasserin mit einem nach Typen und Motiven gegliederten Beispielkatalog einschließlich von Querverweisen erarbeitet. In dieser Form führt sie die bislang weniger beachtete baugeschichtliche Bedeutung der Festungsarchitektur deutlich vor Augen. Das 3. Kapitel „Fortezza – die Aufrüstung der Fassaden“ bildet die eigentliche Mitte der Arbeit, denn es verweist auch auf die Bedeutung der Architekturtheoretiker sowie auf die ausgeführten Anlagen, somit auf das Wirken von Sebastiano Serlio als Theoretiker und auf die durch Michele Sanmicheli gebauten Beispiele – auf eindrucksvolle Torbauten ebenso wie auf das etwa in Gestalt von Diamantquadern ausgeführte Mauerwerk. Die Erläuterungen der Verfasserin zeichnen sich durch präzise Sprache und eingehende Darstellungen mit Verweisen auf die bisherige Forschung aus. Ihre Arbeit ist ein weiterführender Baustein für künftige Arbeiten zur Geschichte des Militärbauwesens.

Vom Nutzen für Berlin

Die Freunde der Zitadelle in Spandau werden die Arbeit von Marion Hilliges mit großem Nutzen zur Hand nehmen, besonders wenn sie sich als Bauforscher die Frage stellen, was etwa im Torhaus der Zitadelle trotz aller Überformungen an Substanz von italienischen Vorbildern aufspürbar ist. Aber selbst noch im späteren 17. Jahrhundert lassen sich in Berlin Auswirkungen erkennen: 1682 errichtete der kurfürstliche Baumeister Johann Arnold Nering zwei Torbauten – das seit langem verschwundene Leipziger Tor als Teil des durch den Großen Kurfürsten errichteten, Berlin umgebenden Festungswerkes und ferner mit zurückgenommener Bedeutung das Tor in den Hof des kurprinzlichen Schlosses Köpenick. Das Köpenicker Beispiel illustriert, dass die „semantische Aufrüstung“ der Festungsarchitektur auch bei der Einfriedung eines kurprinzlichen Besitztums wirksam wurde, wenn auch im Aufwand deutlich zurückgenommen und erkennbar im Unterschied zur Architektur der vom gleichen Architekten entworfenen benachbarten Schlosskapelle.

Eigentlich wirkt das von Reinisch für die Geburtsstunde neuzeitlicher Festungsanlagen angeschlagene Thema „Maß, Zahl und Kanonenkugel“ bis in die Zeit des 2. Weltkriegs weiter, wobei sich das Schwergewicht von der Artillerie auf die Panzerstreitkräfte verlagert hatte. Im 19. Jahrhundert ging die Lehre vom „Festungskrieg“ immer noch von der Wirkung der bereits deutlich verbesserten Artillerie aus – siehe die Reichsfestung Spandau mit ihrem vorgelagerten Fort Hahneberg und schließlich noch die um Berlin herum seit der Jahreswende 1944/1945 ausgehobenen Feldbefestigungen zur Abwehr der Roten Armee.

Prof. Helmut Engel

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