Synagoge Fraenkelufer - Bürger für Denkmale

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Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.

Synagoge Fraenkelufer - Innenansicht (Foto: Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.)
Fraenkelufer 10–16, 10999 Berlin

Synagoge Fraenkelufer – über ein Jahrhundert jüdisches Leben in Kreuzberg

Am 17.9.1916 wurde am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg eine neue Synagoge eingeweiht. In den fast 103 Jahren seines Bestehens hat das jüdische Gotteshaus große Veränderungen, Höhen und Tiefen, Zerstörung und Wiederaufbau erlebt. Als sie erbaut wurde, war die Synagoge eine der größten Berlins – damals bot sie Platz für rund 2.000 Menschen. Zu dieser Zeit wohnten über 10.000 Juden in den späteren Bezirken Kreuzberg und Neukölln. Der Gemeindebaumeister Alexander Beer entwarf die Pläne für die neoklassizistische Synagoge, die neben dem großen Gebetssaal auch mit einer Wochentagssynagoge, einem Saal für den Jugendgottesdienst, einem Trausaal und Versammlungs- sowie Wohnräumen ausgestattet war. Der Neubau war also damals schon als eine Art Gemeindezentrum geplant worden. "Es ist nun doch erreicht, was seinerzeit bei Eröffnung dieser schönsten alle Berliner, ja fast aller deutschen Gemeindesynagogen proklamiert wurde ...," stellte 1927 der Leiter des jüdischen Wohlfahrtamtes fest, "... dass diese Synagoge ein Mittelpunkt werden möge des kulturellen, religiösen und sozialen Lebens im Groß Berliner Osten und Südosten." 1925 eröffnete die Jüdische Gemeinde einen Kindergarten und Hort auf dem Gelände, zweimal wöchentlich wurde eine nachmittägliche Religionsschule abgehalten.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge innen schwer zerstört. Der Hauptbau war daraufhin nicht mehr für Gebete nutzbar, aber im Seitenflügel konnten noch mit Einschränkungen bis Oktober 1942 Gottesdienste abgehalten werden. Im Krieg wurde das Hauptgebäude bei Bombenangriffen im Jahr 1943 weiter schwer beschädigt.

Ein besonderes historisches Ereignis war das erste Gebet zum jüdischen Neujahr Rosh haShana im September 1945. Über 400 Überlebende der Shoa und rund 30 amerikanische Soldaten feierten gemeinsam im Seitenflügel den Gottesdienst. Dass das Gebäude dafür überhaupt genutzt werden konnte, war dem jüdischen, deutschstämmigen US-Offizier Harry Nowalsky zu verdanken, der gegenüber der Synagoge untergebracht war. Er setzte alle Hebel in Bewegung und nutzte seine Kontakte und Verbindungen, um das Seitengebäude notdürftig wiederherrichten zu lassen und so den Neujahrsgottesdienst zu ermöglichen. Unter den Anwesenden war auch der berühmte Kriegsfotograf Robert Capa, dessen Fotos von der Feier anschließend im amerikanischen Life-Magazine veröffentlicht wurden. Heute sind zehn Abzüge seiner Bilder im Kiddushraum der Synagoge ausgestellt und vermitteln einen intimen Einblick in diesen emotionalen historischen Moment.

1958/59 trug man die Ruinenteile der großen Synagoge ab. Der Seitenflügel wurde mit finanzieller Unterstützung durch den Berliner Senat in Stand gesetzt und am 22. April 1959 feierlich wiedereingeweiht. Seitdem gab es durchgängig Gebete und eine Gemeinde in der Synagoge. Nach und nach begann die Beterschaft am Fraenkelufer wieder zu wachsen und in den 50er-Jahren etablierte sich langsam eine neue Gemeinschaft.

In den 1980er- und 90er-Jahren kamen Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin. Dadurch bekam auch jüdisches Leben zwischen Kottbusser Tor und Hermannplatz neuen Aufwind. Später zog es viele der damals Zugezogenen nach Charlottenburg und Wilmersdorf oder gar ins Ausland, aber einige gehören bis heute zu den treuen Besuchern der Synagoge. Nach der großen jüdischen Einwanderungswelle aus der ehemaligen Sowjetunion, nach der Wende zum 21. Jahrhundert stagnierte jedoch die Entwicklung der Beterschaft: Der Synagoge am Fraenkelufer fehlte der Nachwuchs.

Inzwischen kommen jedoch wieder Menschen aus der ganzen Welt in die Synagoge am Fraenkelufer. Dank der Einwanderung von jungen Juden nach Kreuzberg und Neukölln, aber auch in die umliegenden Bezirke trifft sich in der Synagoge am Fraenkelufer heute eine Beterschaft, in der besonders viele verschiedene Nationen vertreten sind. Die Gemeindearbeit wird fast ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert. So ist 2012 aus dem Kreis der Beterschaft eine Initiative hervorgegangen, die 2015 den gemeinnützigen Verein "Freunde der Synagoge Fraenkelufer" gegründet hat, um die Aktivitäten zu unterstützen. Neben den regelmäßigen Gebeten am Shabbat und zu den Feiertagen gibt es auch monatliche Shabbat-Abendessen und regelmäßige Angebote für Familien mit Kindern. Immer am Shabbat versammeln sich interessierte Beterinnen und Beter zum Shiur, dem gemeinsamen Erarbeiten religiöser Schriften.

Wenn immer es möglich ist, öffnet die Synagoge ihre Türen für Interessierte – sei es zu jüdischen Feiertagen oder zu Stadt- und Kiezveranstaltungen wie der "Langen Nacht der Religionen" oder den "Begegnungstagen" im und um den Graefekiez. Dann werden musikalische Veranstaltungen, Führungen und Bildungsprogramme angeboten. Regelmäßig besuchen Schulklassen und Kitagruppen aus ganz Berlin und von außerhalb die Synagoge, um mehr über das Judentum zu erfahren.  

So ist das Fraenkelufer nach über hundert Jahren bewegter Geschichte heute wieder ein Zentrum jüdischen Lebens in Kreuzberg. Dem enormen Wachstum der Gemeinschaft ist es zu verdanken, dass derzeit die Pläne für den Neubau eines jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums entstehen – an der Stelle, wo früher das Hauptgebäude der Kreuzberger Synagoge stand.


Kontakt:

Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.
Fraenkelufer 10–16
10999 Berlin

Nina Peretz (Vorsitzende)

Email: info@fraenkelufer.de

Websites:

Synagoge Fraenkelufer

Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer


Spendenkonto:

Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer e. V.
Bank für Sozialwirtschaft  
IBAN: DE54 1002 0500 0001 6186 00
BIC: BFSWDE33BER



Synagoge Fraenkelufer (Foto: Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.)


Synagoge Fraenkelufer (Foto: William Glucroft)


Gründungsmitglieder des Vereins im September 2018 (Foto: Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.)


Familienfeier am Lichterfest Chanukka (Foto: Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.)


Mimouna, das Fest zum Abschluss des achttägigen Pessach-Festes (Foto: Boaz Arad)

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