Berliner Villenleben - Bürger für Denkmale

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Berliner Villenleben | H. Reif

Heinz Reif (Hrsg.): Berliner Villenleben. Die Inszenierung bürgerlicher Wohnwelten am grünen Rand der Stadt um 1900
Gebr. Mann Verlag, Berlin 2008 (Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin, Band 12)
ISBN 13: 9783786125891, 39 €
Der Herausgeber, Leiter des Zentrums für Metropolenforschung der TU Berlin und Professor für Neuere Geschichte, hat dem Sammelband dankenswerterweise eine straffe Gliederung vorgegeben, sodass die vielfach bereits publizierten Ergebnisse zur Villen- und Landhausarchitektur in einen systematisierten Gesamtzusammenhang gebracht wurden. Die einzelnen Villengebiete werden kurz monographisch abgehandelt und in ihrer Charakteristik durch beispielhafte Bauten belegt. Aus der Konzeption der Veröffentlichung heraus sollten augenscheinlich längere, vertiefende Abhandlungen nicht dargestellt werden, gleichwohl versucht Celina Kress einen solchen Ansatz, indem sie die Generationslagen der Berliner Architekten auf die Entwicklung der Berliner Villenkolonien abspiegelt. Der Veröffentlichung geht es vornehmlich um exemplarische Beispielhaftigkeit, weniger um entwicklungsgeschichtliche Darstellungen. Die Publikation empfiehlt sich deshalb für alle, die einen allgemeinen Überblick zum Thema erhalten wollen. Dass über die bürgerliche Lebenswelt der Krieg, die Inflation, die ästhetische Missachtung und das wirtschaftliche Kalkül hinweggegangen sind, wird eher am Rande vermerkt.

Der Zug nach dem Westen

Das Erlebnis der bürgerlichen Welt im Berliner Südwesten lässt sich vornehmlich in den städtebaulichen und baugeschichtlichen Ausbildungen mit zwei Beispielen erleben: dem Charlottenburger Westend mit seinem geometrisierenden Grundrissgefüge der Gründerzeit (von Martin Gropius entworfen) und der Kolonie Nikolassee aus der Zeit der beginnenden Lebensreformbewegung mit ihren geschwungenen Straßenverläufen und deren Ausrichtung auf den Naturraum der Rehwiese. Einer Besichtigung beispielhafter Häuser steht indessen die Privatheit des Eigentums entgegen. Unter den allgemein bekannten Häusern von Hermann Muthesius lässt das Landhaus Cramer in seiner schönen Klarheit der Innen-Außen-Beziehung zwischen Haus und Garten und die Organisation des Hausgrundrisses mit seinen kurzen Wegen (und dem Verzicht auf eine „Halle“) den Zeitgeist einer modernen Welt erkennen, an deren Gestaltung vornehmlich auch die Hausfrau mitgewirkt hat.

Prof. Helmut Engel

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