Heino Schmieden - Bürger für Denkmale

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Heino Schmieden | Oleg Peters

Oleg Peters: Heino Schmieden. Leben und Werk des Architekten und Baumeisters 1835-1913.
Lukas Verlag, Berlin 2016.
ISBN-10: 3867321698, 70 €
Es darf als Glücksfall bezeichnet werden, dass zwei Architektenmonographien zeitlich dicht hintereinander im gleichen Verlag mit gleichem Layout und fast gleicher Gliederung des Inhaltes erschienen sind: die Arbeit von Arnold Körte über Martin Gropius und die über seinen Partner Heino Schmieden von Oleg Peters. Beide Monographien vermitteln somit einen Überblick über ein halbes Jahrhundert Bautätigkeit in einem Berliner Architekturbüro, das zu den führenden Büros der Reichshauptstadt gehörte und seinen Wirkungskreis auch über die Stadt hinaus entfaltete.

Die Zusammenarbeit der beiden Absolventen der Berliner Bauakademie, durch Geburt etwa ein Jahrzehnt getrennt, begann 1866, als sich mit der Gründung des Norddeutschen Bundes die künftige Rolle Berlins als Reichshauptstadt abzuzeichnen begann, und endete 1880 mit dem Tod von Gropius. Schmieden führte das Büro dann mit wechselnden Partnerschaften bis zu seinem Tod 1913 fort.

Umfang, Inhalt und Qualität der wissenschaftlichen Darstellungen von Peters verdienen hohe Anerkennung. Die Durchforstung des in Gattungen aufgeteilten Werkkatalogs, der notgedrungen auch die Arbeiten während der Bürogemeinschaft mit Gropius umfassen muss, ist etwas mühsam, wenn man nur die chronologische Abfolge der Bautätigkeit nachvollziehen und dabei feststellen will, wie das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Gropius und Schmieden denn gewesen ist, ob es zwischen beiden etwa eine Aufgabenverteilung gegeben hat.

Baukünstlerisch schlagen beide am Beginn ihrer Bautätigkeit unterschiedliche Wege ein. Schmieden muss sich bereits während des Studiums an der Bauakademie für die französische Renaissance begeistert haben, die auch andere Absolventen der Bauakademie zeitgleich für sich entdeckten, und die Schmieden 1860 mit einer Studienreise durch Frankreich wohl kultiviert haben wird. Gropius band sich von Anfang an an die Disziplin einer hellenisch verstandenen Architekturwelt.  

Das erste Werk Schmiedens, das im Auftrag von Baron Albert Emil Otto von Parpart entworfene und 1861-1863 gebaute Schloss Hünegg am Thunersee, belegte diese Bindung von Architekt und wohl auch vom Bauherrn an den französischen Kulturkreis, das Ökonomiegebäude des Schlosses dagegen die Vertrautheit mit dem sog. „Schweizer Haus“. Schmieden scheint sich eher in der mit der Gründerzeit beginnenden Stilpluralität umgesehen zu haben. Die Ostfassade des sog. Schlosses Biesdorf von 1867, ein Jahr nach Beginn der Partnerschaft mit Gropius im Bau begonnen, mag man mit der Gartenfassade der Villa Bleichröder von Gropius vergleichen und mit dem Blick auf die Entwurfsdisziplin von Gropius die Frage nach dem Biesdorfer Turm stellen. Aufschluss gibt sicherlich auch der Vergleich zwischen Schloss Hünegg (1861-1863) von Schmieden und dem Entwurf von Gropius aus dem Jahr 1862 für die Berliner Thomaskirche. Gropius hatte seinen Wettbewerbsentwurf unter dem überaus kennzeichnenden Decknamen „Ratio“ eingereicht.

Die frühen Entwürfe von Schmieden nach dem Tod von Gropius zeigen unübersehbar nun den Einfluss der deutschen Renaissance, so etwa 1885-1887 mit dem Elisabeth-Kinder-Hospital in der Hasenheide. Die deutsche Renaissance begleitete Schmieden über lange Zeit. Als Summe bleibt der hohe Stellenwert der beiden Arbeiten von Körte und Peters als Quelle künftiger Forschung zur die Entwicklung der Berliner Architektur.

Prof. Helmut Engel

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